Nein? Nicht so ganz 100%ig?
Ich habe eine Vermutung – du bist gar nicht inkompetent! Ich vermute du hast eine mehrjährige, gute Ausbildung, du hast ein gutes Gespür und Empathie, vielleicht schon viele Jahre Erfahrung und garantiert einen Beruf ausgewählt, der dir liegt und Spaß macht. Wieso also fühlst du dich nicht ausreichend kompetent?
Fühlst du dich vielleicht einfach inkompetent, weil du die falschen KlientInnen hast?
Wer dir gegenübersitzt, formt dein Kompetenzgefühl
Stell dir zwei Klientinnen vor.
Klientin A kommt zu einem Erstgespräch zu dir, weil sie genau die Person sucht, die du bist. Sie kennt deine Arbeit. Sie hat dich gefunden, weil sie dich finden wollte. Sie schätzt deinen Zugang, deine Sprache, deine Methode. Sie geht aus dem Gespräch mit einer Erkenntnis und Weiterentwicklung und sagt dir, was ihr genau diese Begegnung bedeutet hat.
Du fühlst dich nach diesem Gespräch: kompetent. Hilfreich. Auf dem richtigen Weg.
Klientin B kommt zu dir, weil sie irgendjemanden gesucht hat und du eben verfügbar warst. Sie fragt nach Dingen, die nicht dein Schwerpunkt sind. Sie vergleicht dich permanent mit anderen Anbietern. Sie zweifelt an dem, was du vorschlägst, weil sie sich etwas anderes vorgestellt hat. Am Ende des Gesprächs ist unklar, ob sie überhaupt nochmals kommt.
Du fühlst dich nach diesem Gespräch: unsicher. Erschöpft. Hast du genug Ahnung? Bist du wirklich die Richtige?
Das Kompetenzgefühl hat sich nicht zwischen den beiden Gesprächen verändert. Du bist dieselbe Person mit demselben Wissen, derselben Erfahrung, denselben Fähigkeiten.
Was sich verändert hat, ist der Klient, der dir gegenübersaß.
Hochkompetente Menschen fühlen sich inkompetent
Wir reden viel über Selbstwert. Wir reden viel über Mindset-Arbeit. Wir reden über Affirmationen und innere Arbeit. All das hat seinen Platz.
Aber selten wird ausgesprochen, dass dein Kompetenzgefühl zu einem überraschend großen Teil davon abhängt, mit wem du gerade arbeitest.
Hochkompetente Menschen, die mit den falschen Klientinnen arbeiten, fühlen sich täglich inkompetent. Mittelmäßige Anbieter, die in ihrer perfekten Nische arbeiten, fühlen sich täglich brillant. Das hat wenig mit objektiver Kompetenz zu tun. Es hat damit zu tun, wer ihnen gegenübersitzt.
Wer dir gegenübersitzt, hängt von deiner Positionierung ab
Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Warum hast du die Klientinnen, die du hast?
Wenn du oft die falschen Klientinnen bekommst, hat das nichts mehr mit Pech zu tun. Es hat mit deiner Positionierung zu tun.
Wer keine klare Positionierung hat, zieht alle möglichen Anfragen an. Die, die zu dir passen, und die, die eben nicht zu dir passen. Beide kommen, weil deine Außendarstellung breit genug ist, um beide gleichermaßen anzusprechen.
Wer eine klare Positionierung hat, zieht selektiv an. Die Falschen sortieren sich von selbst aus, weil sie merken: hier bin ich nicht gemeint. Die Richtigen kommen mit Vorfreude und Klarheit, weil sie merken: hier bin ich genau richtig.
Das ist der effizientere Weg. Nicht „noch eine Ausbildung machen“. Nicht „an deinem Mindset arbeiten“. Sondern: klarer werden, wofür du da bist, damit die richtigen Klientinnen dich finden.
Was sich verändert, wenn deine Positionierung passt
Stell dir vor, du arbeitest nur noch mit Klientinnen vom Typ A. Klientinnen, die genau dich gesucht haben. Die deine Arbeit verstehen. Die dich in dem bestätigen, was du tust.
Dann verschwindet die ständige Frage „Bin ich gut genug?“ nicht durch innere Arbeit. Sie verschwindet, weil sich täglich Beweise sammeln. Du siehst, was du bewirken kannst. Du hörst, wie deine Worte ankommen. Du erlebst, wie deine Methode wirkt.
Kompetenzgefühl ist nicht etwas, das du dir antrainierst. Es ist etwas, das dir entgegenkommt, wenn die richtigen Menschen es dir spiegeln.
Und es kommt dir nur entgegen, wenn die richtigen Menschen dich überhaupt finden.
Es ist kein Mindset-Problem. Es ist ein Positionierungs-Thema.
Wenn du dich oft inkompetent fühlst, ist das ein Hinweis. Nicht darauf, dass du es bist. Sondern darauf, dass deine Klientinnen oft nicht zu dir passen.
Kläre, für wen du die Richtige bist. Wer deine Wunschkundin ist. Was sie konkret von dir bekommt. Und dann machst du diese Klarheit nach außen sichtbar, damit die Richtigen dich finden und die Falschen sich selbst aussortieren.
Und dann fühlst du dich automatisch kompetenter. Nicht, weil du mehr weißt als vorher. Sondern weil dir endlich die richtigen Menschen gegenübersitzen.