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Vom Schwimmbecken zum blauen Ozean: Warum eine Nische noch lange kein Alleinstellungsmerkmal ist

Es gibt einen Begriff, der in Marketingkreisen seit zwanzig Jahren herumgeistert: Blue Ocean Strategy. Geprägt wurde er 2005 von W. Chan Kim und Renée Mauborgne in ihrem gleichnamigen Buch. Die Idee dahinter ist so einfach wie revolutionär.

In den roten Ozeanen wird gekämpft. Tausende Anbieter konkurrieren um dieselben Kunden, mit ähnlichen Produkten, zu ähnlichen Preisen. Das Wasser ist rot, weil sich die Mitbewerber gegenseitig zerfleischen. Wer hier antritt, kämpft. Wer kämpft, verliert oft.

In den blauen Ozeanen dagegen ist Platz. Kein Mitbewerb, keine Preisschlacht, keine Vergleichbarkeit. Du bist nicht der bessere von hundert. Du bist der einzige sinnvolle Anbieter für ein konkretes Anliegen.

Klingt verlockend. Wird aber oft falsch verstanden.

Eine Nische ist noch kein blauer Ozean

Hier liegt das größte Missverständnis. Viele Coaches, Berater und Selbstständige denken: Wenn ich mich spezialisiere, habe ich einen blauen Ozean. Das stimmt so nicht.

Lass mich das an einem Beispiel zeigen, das nichts mit Coaching zu tun hat:

Stell dir einen Poolbauer und Gartenplaner vor.

Stufe 1: Keine Spezialisierung. Er sagt: „Ich baue Pools und plane Gärten.“ Das ist ein Beruf, keine Positionierung. Er konkurriert mit hunderten anderen, die genau dasselbe anbieten.

Stufe 2: Eine Dienstleistung dazu. Er sagt: „Ich baue Pools, plane Gärten und mache auch Biopools.“ Das ist eine erweiterte Dienstleistung, aber noch keine Positionierung. Es macht ihn nicht klarer, sondern beliebiger.

Stufe 3: Eine Nische. Er sagt: „Ich baue Biopools für kleine Gärten.“ Jetzt wird es konkret. Er hat sich spezialisiert. Er hat Expertenstatus aufgebaut. Er weiß, wie man auf engem Raum naturnahe Pools plant. Das ist eine echte Nische und schon viel mehr als die meisten anderen haben.

Aber ist es schon ein blauer Ozean? Nein, noch nicht.

Stufe 4: Der blaue Ozean. Er beobachtet seine Kunden. Er merkt: Selbst Menschen mit großen Gärten kommen zu ihm, weil sie einen Pool wollen, aber keinen einzigen Baum dafür fällen möchten. Ihre alten Obstbäume, der Walnussbaum vom Großvater, die Linde im Garten, all das soll bleiben. Es ist eine handwerkliche Herausforderung, weil Pools normalerweise gerade Linien und freie Flächen brauchen. Aber genau hier liegt eine unbearbeitete Marktlücke.

Er positioniert sich neu: „Ich baue Pools in kleinen Gärten, ohne einen einzigen Baum zu fällen.“

Was passiert da gerade?

Drei Dinge gleichzeitig:

→ Er zeigt eine technische und kreative Expertise, die andere nicht haben. Pools um Bäume herum zu planen ist Handwerkskunst.

→ Er zeigt eine Haltung, die mit den Werten seiner Wunschkunden in Resonanz geht. Baumerhalt. Naturverbundenheit. Verantwortung.

→ Er nimmt ein konkretes Bedürfnis ernst, das andere übersehen haben. Den emotionalen Wert eines Baumes.

Das ist der blaue Ozean. Nicht „ich kann auch das“, sondern „ich bin die einzige sinnvolle Adresse für dieses spezifische Anliegen“. Die Kombination aus Können, Haltung und Kundenverständnis macht den Unterschied.

Wie findet man so einen blauen Ozean?

Kim und Mauborgne beschreiben in ihrem Buch sechs Ansätze. Das Buch richtet sich an Unternehmen und ganze Branchen. Vieles davon lässt sich aber wunderbar auf Personal Brands übertragen, also auf dich als Coach, Therapeutin, Beraterin oder Trainerin. Zwei dieser Zugänge finde ich für deine Arbeit besonders wertvoll.

1. Alternativbranchen betrachten

Frage dich: Was ist die Alternative zu dem, was du anbietest? Nicht der direkte Mitbewerb, sondern das, was Menschen tun, wenn sie nicht zu dir kommen.

Was machen deine Wunschkunden, wenn sie nicht in ein Coaching gehen? Sie lesen Bücher. Sie reden mit Freundinnen. Sie googeln. Sie ignorieren das Problem. Sie versuchen es alleine. All das ist deine echte Konkurrenz. Wenn du verstehst, warum Menschen diese Alternativen wählen, findest du genau die Lücke, in die dein Angebot hineinpasst.

2. Funktionale und emotionale Kaufmotive kombinieren

In welchem Kontext wird dein Angebot genutzt? Was passiert davor, dabei und danach? Wo sind die echten Schmerzpunkte?

Was nervt deine Wunschkundin an klassischen Coaching-Formaten? Vielleicht die langen Vorgespräche. Vielleicht das Gefühl, sich öffnen zu müssen. Vielleicht die Unsicherheit, was am Ende dabei herauskommt. Wenn du diese Schmerzpunkte eliminierst und gleichzeitig die emotionalen Bedürfnisse triffst, baust du dir deinen eigenen blauen Ozean.

Was bedeutet das für deine Arbeit?

Eine Nische ist eine Positionierung. Ein blauer Ozean ist eine Erfindung.

Du erfindest nicht ein neues Coaching. Du erfindest eine neue Art, ein konkretes Problem zu lösen. Eine Art, die deine ganz spezifische Lebenserfahrung, deine Werte, deine Haltung und dein Können miteinander verbindet. Eine Art, die deine Wunschkundin sofort wiedererkennt mit dem Gedanken: „Genau die brauche ich.“

Und genau das ist der Punkt, an dem mein Ultraviolett-Brand-Prozess ansetzt. Der rote Faden alleine reicht nicht. Eine Nische alleine reicht nicht. Erst wenn beides zu deiner eigenen, klar formulierten Lösung verschmilzt, entsteht etwas Einzigartiges. Und damit dein violetter Faden.

Wenn dich das neugierig gemacht hat: Lass uns reden. In einem dreißigminütigen Erstgespräch finden wir gemeinsam heraus, wo dein blauer Ozean liegt. Vielleicht ist er näher, als du denkst.

Und plötzlich bist du nicht mehr austauschbar.