Wie du nach zwei Minuten im Kopf bleibst — und wie nicht
Vor Kurzem stellte ich einem Keynotespeaker vor einem größeren Publikum eine Frage zu Unternehmensentwicklung im Bereich Kooperationen. Kooperationen können ja ein extremer Hebel und Motivator sein. Für mich und meine Persönlichkeit (ich gebe sehr schnell 1000 % Investment) ist es allerdings schwierig, Partner zu finden, die hier mitziehen können — und ich hatte daher eine konkrete Frage an den Vortragenden zu seinem Ansatz, dass Kooperationen bzw. Co-Creation zwingend notwendig seien für unternehmerischen Erfolg.
Nach dem Event kam eine junge Frau zu mir und stellte sich als Coach vor. Sie meinte, ich müsste nur an meiner Persönlichkeit arbeiten, dann würde das mit den Kooperationen ganz von alleine klappen. Das Ganze sei auch in „wenigen Sitzungen“ machbar.
Sie meinte es ehrlich gut. Und trotzdem habe ich mich nach 30 Sekunden nicht mehr für Sie interessiert. Warum? Genau das ist das Thema, über das ich heute schreiben möchte — denn es passiert in der Coaching-Branche andauernd, und es kostet so viele talentierte Coaches und Berater echte Aufträge.
Was ist hier eigentlich passiert?
Ich hatte eine unternehmerische Frage gestellt — keine Coaching-Frage. Ich wollte wissen, wie man unternehmerischen Erfolg auch ohne Kooperationen erreichen kann, weil ich mit meinem Energielevel und meinen Visionen nun mal nicht mit jedem zusammenarbeiten kann. Das ist keine Persönlichkeitsschwäche, das ist ein klares Bewusstsein für die eigene Arbeitsweise und meine Ansprüche an die Menschen, mit denen ich zusammenarbeiten MÖCHTE.
Trotzdem bekam ich ein Coaching-Angebot übergestülpt, das mit meinem eigentlichen Anliegen nichts zu tun hatte. Und genau das ist der Moment, in dem so viele potenzielle Kunden innerlich abschalten — ohne dass die Coachin oder der Berater es überhaupt bemerkt.
Was hätte sie tun können, um mich zu erreichen?
- mir ein paar Fragen stellen, um herauszufinden, ob Coaching hier überhaupt ein Thema ist
- mir keine allgemeine Lösung überzustülpen „das ist in wenigen Sitzungen machbar“, sondern individuell auf mich eingehen
- Mir von Erfahrungen mit ähnlichen Themen erzählen — eine Casestudy, die zeigt: „Ich kenne dieses Thema, hier sind Ansätze, die du vielleicht noch nicht bedacht hast“
- Erzählen, wie sie arbeitet, was sie besonders macht und vor allem warum gerade sie zu meinem Thema passt
- Konkret beschreiben, welche Schritte zum Ergebnis führen — ihre Methode, ihre Signatur, die Essenz ihrer Arbeit
Dann — und nur dann — hätte ich länger als 30 Sekunden zugehört. Dann hätte ich mich für sie als Mensch interessiert, für ihre Sichtweise, ihre Haltung und ihre dann sichtbare Kompetenz. Und ich hätte entweder selbst eine Dienstleistung in Anspruch genommen oder zumindest gewusst, für wen in meinem Umfeld sie die richtige Anlaufstelle wäre.
So habe ich mir nicht einmal ihren Namen gemerkt.
Was bedeutet das für dich als Coach, Trainerin, Beraterin, Energetikerin oder Therapeutin?
Es bedeutet, dass die meisten Erstkontakte nicht an deiner fachlichen Qualität scheitern — sondern daran, dass Menschen dich nicht klar einordnen können. Sie wissen nicht, wofür genau du stehst. Und in einem Markt, der gerade von 0815-Coachings überschwemmt wird, ist das fatal.
Was du brauchst:
1. Werde dir ganz klar darüber, für wen du eine besondere Expertise hast. Definiere deine Nische — den roten Faden, der sich durch deine Arbeit zieht.
2. Positioniere dich thematisch nicht zu breit. Ein Angebot wie „Ich kann alles in 3 Stunden lösen“ ist unglaubwürdig. „Lerne, wie du deine Visionen so kommunizierst, dass du andere Menschen spielend leicht ins Boot holst“ wäre in meinem Fall ein Themenfeld gewesen, das eine konkrete Tür geöffnet hätte – und das sicher nicht nur bei mir – sind wir nicht alle irgendwie Visionäre? So ein Thema bildet eine starke Basis für ein echtes Alleinstellungsmerkmal! Das ist dein blauer Ozean.
3. Mache deine Kompetenz sichtbar über Casestudys, Fallbeispiele und konkrete Erfahrungen aus deiner Arbeit. Menschen kaufen kein „Ich kann das“, sie kaufen „Schau, das habe ich schon gemacht.“ Hier ist Strategie und tiefgehender Content gefragt. Sei vorbereitet auf die Begegnung mit deinem Wunschkunden – online wie offline.
4. Entwickle deine eigene Methode. Beschreibe die konkreten Schritte: Wo beginnt die Reise, welche Meilensteine werden gemeinsam erarbeitet, was ist das Ziel? Eine Methode visualisiert deine Leistung nicht nur — sie macht sie auf eine gewisse Weise greifbarer. Etwas, das man weitererzählen kann. Etwas, das für dich steht – deine Signatur. Der violette Faden in deinem Angebot.
Dann werden sich Menschen an dich erinnern — auch nach einem zweiminütigen Gespräch auf einem Mindset-Festival, weil du dann nicht einer von den üblichen Coaches warst, sondern einer der seine Signatur hinterlassen hat.
Wenn dich das gerade zum Nachdenken gebracht hat: Ich nehme mir gerne 30 Minuten Zeit für dich. Kein Verkaufsgespräch, kein Druck — einfach ein entspanntes Gespräch darüber, wo du gerade stehst und was dich weiterbringen würde.