Ich höre diesen Satz fast täglich von Neugründerinnen: „Ich kann mich noch nicht spitz positionieren. Ich bin ja gerade erst gestartet. Ich habe noch nicht genug Erfahrung, noch nicht genug Kunden, noch nicht genug Referenzen.“
Und ich antworte fast täglich denselben Satz zurück: Das stimmt nicht.
Spitze Positionierung hat nichts mit jahrelanger Berufserfahrung zu tun. Sie hat damit zu tun, dass du klar weißt, für wen du Gold wert bist. Und das kannst du als Neugründerin mindestens genauso klar wissen wie jemand, der seit zwanzig Jahren im Geschäft ist.
Wie das geht, zeige ich dir an einem konkreten Beispiel.
Eine Fotografin am Anfang ihrer Selbstständigkeit
Stell dir eine Frau vor, die seit kurzem als Fotografin arbeitet. Sie hat eine kleine, aber wachsende Sammlung an Referenzen. Ihre technischen Fähigkeiten sind gut, aber sie weiß: Es gibt Kolleginnen, die in dieser Hinsicht schon weiter sind. Studios mit High-End-Equipment. Fotografinnen mit zwanzig Jahren Routine. Anbieter, die ein halbes Vermögen pro Shooting verlangen können und es auch bekommen.
Sie könnte sich davon einschüchtern lassen. Sie könnte denken: „Solange ich nicht auf dem Level bin, kann ich mich nicht spitz positionieren.“
Sie tut das Gegenteil. Sie schaut nach innen.
Sie ist selbst hochsensibel. Sie kennt das Gefühl, sich vor einer Kamera unwohl zu fühlen. Sie weiß, wie überwältigend ein klassisches Shooting für jemanden sein kann, der innerlich gerade kämpft. Und sie versteht, dass es Frauen gibt, die genau deswegen entweder gar nicht zum Shooting gehen oder mit Fotos rauskommen, in denen sie sich nicht wiedererkennen.
Daraus baut sie ihre Positionierung.
Sie bietet nicht „Fotografie“ an. Sie bietet Shootings für hochsensible Frauen an. Ihre Methode sieht so aus:
→ Ein ausführliches Vorgespräch per Zoom, in dem sie sich kennenlernen, bevor die Kamera überhaupt eine Rolle spielt.
→ Lange Shootings mit Aufwärmübungen, kleinen Pausen, ruhiger Musik, Zeit zum Ankommen.
→ Wenig Equipment, kein steriles Studio. Sie arbeitet bei den Frauen zuhause oder an Orten, die sie sich aussuchen.
→ Ein offener Umgang mit Unsicherheit. Sie sagt zu Beginn: „Du musst hier nichts performen.“
Was passiert?
Ihre Kundinnen sind nach den Shootings nicht erschöpft, sondern bewegt. Sie kommen mit Fotos heraus, in denen sie sich selbst zum ersten Mal erkennen. Sie empfehlen die Fotografin in privaten Gruppen weiter, mit Sätzen wie: „Die versteht das. Bei ihr fühlst du dich wohl.“
Und plötzlich ist die technische Frage zweitrangig geworden. Die Frage ist nicht mehr „ist sie eine Profi-Fotografin?“. Die Frage ist: „Versteht sie mich?“
Und das tut sie. Besser als jede High-End-Profi-Fotografin, weil sie selbst hochsensibel ist.
Eigene Erfahrungen sind Expertise.
Das ist der erste Punkt. Wer selbst hochsensibel ist, kennt die Bedürfnisse hochsensibler Menschen besser als jede ausschließlich technisch geschulte Profi-Fotografin. Wer selbst aus dem Burnout kommt, versteht Burnout-Klientinnen anders. Wer selbst alleinerziehend ist, kann alleinerziehende Mütter anders begleiten. Wer selbst spät seine Berufung gefunden hat, kann andere Spätberufene besser ermutigen.
Selbsterfahrung ist eine Form von Expertise, die du in keiner Ausbildung lernen kannst. Sie ist nicht weniger wert als ein Zertifikat. Sie ist ein anderer Wert, und für viele Wunschkundinnen der entscheidende.
Persönlichkeit ist Methode.
Die Art, wie sich die Fotografin Zeit nimmt, Vorgespräche führt, Aufwärmübungen einbaut, ist nicht Notlösung wegen mangelnder Routine. Es ist ein bewusstes Konzept, das ihrer Zielgruppe genau das gibt, was sie braucht.
Genau dasselbe gilt für dich. Vielleicht bist du jemand, der besonders gut zuhört. Jemand, der Komplexes einfach erklärt. Jemand, der einen direkten Ton schätzt. Jemand, der nie wertet. Jemand, der unkonventionell denkt.
Das sind keine Soft Skills, die man irgendwo nebenbei mitnimmt. Das sind Werkzeuge deiner Methode. Wenn du sie bewusst einsetzt und nach außen kommunizierst, werden sie zu deinem Alleinstellungsmerkmal.
Was du als Neugründerin wirklich hast
Du hast keine zwanzig Jahre Erfahrung. Stimmt.
Aber du hast etwas anderes: eine frische Perspektive, eine eigene Lebensgeschichte und eine Persönlichkeit, die niemand sonst hat.
Die Frage ist nicht, ob das genug ist. Die Frage ist, ob du es klar kommunizierst.
Spitze Positionierung als Neugründerin heißt nicht: „Ich bin so gut wie die Profis.“ Spitze Positionierung als Neugründerin heißt: „Ich bin genau richtig für genau diese Menschen, weil ich genau das verstehe, was sie brauchen.“
Das ist nicht weniger Wert als jahrelange Berufserfahrung.
Wenn du das selbst ausprobieren willst:
Lade dir die fünf Personal Brand Fragen herunter. Sie sind der Einstieg in den roten Faden, den Blick nach innen. Für Neugründerinnen besonders wertvoll, weil sie zeigen, was du heute schon hast.
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